In der südosttürkischen Stadt Diyarbakır beobachten Wissenschaftler eine Veränderung im Zugverhalten der Weißstörche. Immer mehr Tiere bleiben während der kalten Jahreszeit in der Region, anstatt wie gewöhnlich in ihre afrikanischen Winterquartiere weiterzufliegen.
Besonders der Kabaklı-Teich im Tal des Tigris entwickelt sich zu einem wichtigen Aufenthaltsgebiet. Durch jahreszeitliche Niederschläge ist der Wasserstand gestiegen, sodass die Weißstörche dort ausreichend Wasser und Nahrung finden können.
Der Zoologe Prof. Dr. Recep Karakaş von der Dicle-Universität sieht einen Zusammenhang mit dem Klimawandel. Mildere Winter ermöglichen es den Vögeln zunehmend, auf die lange und gefährliche Wanderung nach Afrika zu verzichten.
Bereits in früheren Jahren beobachteten Wissenschaftler am Batman-Fluss und in der Bismil-Ebene überwinternde Gruppen von 20 bis zu 70 Weißstörchen.
Nach Angaben von Karakaş wurden inzwischen auch am Kabaklı-Teich überwinternde Tiere festgestellt. Solche Beobachtungen seien dort zuvor nicht dokumentiert gewesen.
Die Wissenschaftler rechnen damit, dass die Zahl der nicht mehr ziehenden Weißstörche künftig weiter zunehmen könnte. Untersuchungen anderer Populationen deuten darauf hin, dass standorttreue Tiere unter günstigen Bedingungen sogar einen höheren Bruterfolg erzielen können.
Wie viele Weißstörche aktuell am Kabaklı-Teich bleiben, wurde nicht mitgeteilt.

