Im Libanon werden weiterhin Weißstörche während ihres Herbstzuges nach Afrika illegal abgeschossen. Ein am 19. Oktober veröffentlichter Bericht der österreichischen Kronen Zeitung dokumentiert die anhaltende Bedrohung der geschützten Zugvögel.
Besonders erschütternd sind Videoaufnahmen, die derzeit in sozialen Netzwerken kursieren. Darauf ist ein Schwarm Weißstörche zu sehen, der über einer Ortschaft kreist. Plötzlich fallen zahlreiche Schüsse aus automatischen Waffen. Mehrere Vögel werden getroffen und stürzen zu Boden.
Das deutsche Komitee gegen den Vogelmord bestätigte gegenüber der Zeitung die Echtheit der Aufnahmen. Nach Angaben der Naturschützer kommt es insbesondere in den Bergen östlich der nordlibanesischen Stadt Tripoli sowie im Grenzgebiet zu Syrien immer wieder zu massiven Abschüssen.
Besonders grausam: Manche verletzten Weißstörche werden als lebende Lockvögel missbraucht. Wilderer halten die Tiere teilweise angebunden, um weitere Störche anzulocken und anschließend ebenfalls abzuschießen.
Axel Hirschfeld vom Komitee gegen den Vogelmord, der sich nach eigenen Angaben noch in der vergangenen Woche im Libanon aufhielt, berichtet, dass zahlreiche getötete Störche teilweise auch zum Verzehr genutzt werden.
Die österreichische Tierschutzorganisation Tierschutz Austria erhielt außerdem Hinweise darauf, dass möglicherweise Angehörige des Militärs an solchen Abschüssen beteiligt sein könnten. Die Organisation möchte deshalb Kontakt zu den zuständigen Behörden aufnehmen. Eine Beteiligung des Militärs ist bislang nicht unabhängig bestätigt.
Wie viele Weißstörche bei dem gefilmten Vorfall getötet wurden und wann genau die Aufnahmen entstanden sind, ist nicht bekannt. Die Naturschützer bestätigen jedoch, dass illegale Abschüsse entlang dieser wichtigen Zugroute weiterhin ein ernstes Problem darstellen.

